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Als ich dich vermisste

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Erschien am: 28.11.2008
Art.Nr.: RMZ-8311-14188
Kategorie: Bücher
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Erstlingsroman von Mario Ziltener

Lukas wird überraschend von seiner Freundin verlassen. In der Folge brechen plötzlich Ängste hervor, welche in einen beinahe unendlichen Albtraum umschlagen.
Doch es... ... Weiterlesen

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Erstlingsroman von Mario Ziltener

Lukas wird überraschend von seiner Freundin verlassen. In der Folge brechen plötzlich Ängste hervor, welche in einen beinahe unendlichen Albtraum umschlagen.
Doch es bleibt nicht einfach beim Träumen, oft holt uns die Realität schneller ein als gewollt.¨



Sein Äusseres war auch ein faszinierendes Ding. Die viel zu grosse, total veraltete Videokamera schleppte er überall hin mit. Egal ob in eine Kirche, an den Strand, zum Essen oder in die Stadt. Alle lachten darüber. Nicht nur deshalb weil er alles filmte was sich bewegte, sondern auch, weil Riefer alles kommentierte was er filmte. Was der für einen Scheiss erzählte. Einfach nur Quatsch. Mir taten vorallem all jene leid, welche sich irgendwann dieses Band ansehen mussten. Vielleicht waren dies Verwandte, Bekannte oder Freunde von der Baustelle. Eigentlich ganz egal. Nur eines wusste ich ganz genau: Es war sicher nicht die Art von Film welche man sich freiwillig ansah. Wenn man bei einem solchen Videoabend irgendwie die Möglichkeit hatte Kopfschmerzen zu bekommen dann würde man sicher alles dafür geben, nur um einen Grund zu haben möglichst fluchtartig den Ort des Geschehens zu verlassen und den Qualen des Films zu entgehen. Sofort kam mir dabei Onkel Paul in den Sinn. Da wusste ich, dass es solche "Nullbock's" in jeder Familie gab - ganz sicher.

Je länger ich darüber sinnierte entdeckte ich, dass diese Videokamera für Riefer auch eine prima Ausrede für fast alles war. Denn: Er konnte ja nicht schwimmen gehen, denn er musste filmen. Er konnte aber auch keine weiten Strecken gehen (was vorallem auf den Ausflügen der Fall gewesen wäre), da die Kamera schlicht und einfach zu schwer war. Prima, so eine Kamera war also multifunktional.

Aber es war ja nicht nur die Kamera. Es kam auch noch so vieles hinzu. Beispielsweise seine Sandalen, welche ja alleine noch keine Katastrophe abgegeben hätten, aber in Kombination mit den verwaschenen gelben und vorallem dicken Kniestrümpfen gab es ein Bild ab wie im Zirkus. Die Clowns würden dieselben Socken anziehen, einfach in Kombination mit diesen viel zu langen, für Clowns typischen Schuhen. Aber zurück zu Riefer. Irgendwie hatte er das Gefühl dass er auch allen anderen zeigen müsse dass er sich gerade im Urlaub befand. Sein schönstes Hawaii-Hemd hatte er sich mitgebracht – und er trug es jeden Tag. Zwei ganze lange Wochen. Ohne es jemals zu waschen. Dies konnte ich mit Bestimmtheit sagen, denn ich konnte es von weitem riechen. Dummerweise ist die Ausdünstung eines Menschen etwas was einem sehr lange bleibt. Déjà-vue würde man dem sagen wenn es sich um einen Ort handeln würde. Vielleicht kennen sie das auch: Den Geschmack des Schulzimmers der einem ein Leben lang in Erinnerung bleibt. Aber es war ein schönes Hemd; schön für Riefer, es passte genau zum gesamten Bild. Auch seine hautengen, kurzen weissen Hosen, an den Nähten bereits zerschlissen und ihm eigentlich seit fünf Jahren viel zu klein. Zu Hause würde er diese Hosen nicht einmal mehr auf die Baustelle anziehen. Aber hier im Urlaub war das ja etwas ganz anderes.

Seine Frau - Katharina Riefer - sagte nichts. Während der Anreise nicht, während den Ausflügen nichts und beim Essen schaute sie ihren René mit grossen Augen an, fast schon bewundernd. Es schien als wären bei den Riefer's die Rollen während des Urlaubes genau vertauscht. Vermutlich traf sich Katharina jeweils dienstags, mittwochs und freitags im Kaffee zur Linde mit den anderen Klatschtanten und lästerte dann stundenlang über dieses und jenes und erzählte über ihre Nachbarn alles was sie erfahren hatte. Verwerflich und unglaublich. Nun befand sie sich in einer Art "Stillstand", konnte so alles aufnehmen und dann, zu Hause, würde sie wieder lästern können, diesmal über das Hotel, die Leute und das Land. Katharina trug ein hellblaues Kleid mit Blümchen in allen Farben, mit kurzem Saum, so dass man ihre dicken, dunkelblaunen Krampfadern und die starke Beinbehaarung sehen konnte. Das allerschlimmste war, dass sie alle anderen der Reisegruppe ganz genau musterte. Sie schien die Details einer Person oder deren Umfeld richtig gehend aufzusaugen. Ob sie allerdings diese Eindrücke auch wirklich verarbeiten konnte war eine andere Frage die ich mir gar nicht erst stellte, weil ich die starke Vermutung hatte dass die Antwort ohnehin ein 'nein' sein würde.

 


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